Ainringer Wirtshausgschichten
 Ainringer Wirtshausgschichten

Abschied von Marianne Berger

Liebe Gäste, gestern am 11.09.2020 ist unsere liebe Mutter und Oma um 16:00 Uhr von uns gegangen. Sie hatte in den letzten 3 Jahren sehr gelitten und gerade die letzten drei Wochen waren für uns alle und besonders für sie sehr schwer.

 

Gestern gegen 15:30 Uhr war meine Frau bei ihr, meine Frau rief mich an, ich soll doch gleich kommen, der Mama gehe es gar nicht gut. Bei unseren Besuchen haben meine Frau und ich immer ihre Lieblingslieder gesungen.

Sie machte dann auch ab und zu die Augen auf und wir sahen Freudentränen in ihrem Gesicht.

Gestern gegen 15:56 Uhr stimmten wir ihr Lieblingslied „Hob oft die ganze Nacht…“ an.

Nach drei Strophen habe ich dann noch das Lieg angestimmt: „Mama, geht bitte schau oba, ich bins der Thomas dei Bua…..“, dann ist Ihr großartiges Herz stehen geblieben.
In großer Dankbarkeit und mit einem nicht beschreibbaren Gefühl waren dies meine zwar traurigsten aber schönsten Minuten in meinem Leben. Ich kann nur jedem sagen, auch wenn so ein Abschied sehr schwer ist, aber wenn man das Glück hat, dabei sein zu können, wenn eine Mutter geht, für das bin ich sehr dankbar.

 

Marianne Berger kam 1954 nach Ainring, durch einen Vieh- und Heuhandel von unserem Nachbarswirt, dem damaligen Neuwirt, Familie Thurnhuber. Ihr Vater ist im Krieg gefallen, er war der Lenzenwirt aus Ufering und dort ist sie auch in einem Landgasthaus aufgewachsen. Der Thurnhuber Heini suchte eine Köchin für den Neuwirt und mit einem Fuder Heu wurde der Handel perfekt, ein Fuder Heu für meine Mutter Marianne Berger.

 

Hans Berger hatte den damaligen Rupertihof, ca. 100m vom Neuwirt entfernt. Der Neuwirt stand da, wo heute unser Holzlager ist. Meine Mutter mochte den Hans Berger überhaupt nicht, weil er immer mit seinen dreckigen Stiefeln beim Neuwirt zum Telefonieren kam und auf dem Küchenboden seine Spuren hinterließ. Beim Neuwirt war das einzige Telefon im Ort. 1957 musste die Fam. Thurnhuber und der Neuwirt aufhören, sie hatte keinen Arbeitsplatz mehr. Jetzt musste sie zum Berger in den Rupertihof. Am 17.02.1960 kam ich dann auf die Welt.

 

Seit 1957 arbeitete Mama bis zu Ihrem 85. Geburtstag im Rupertihof in der Küche und im Waschhaus, sie war der gute Geist im Haus. Sie hat Unwahrscheinliches für uns geleistet. Zu dieser Zeit zwischen 1980 und 2000 hatten wir oft pro Tag 2.000 Essen und die Mama war nach 2000 Essen auch noch nicht müde und einen Gast wegschicken, das gab es bei Marianne Berger nicht. Sie war nicht nur beliebt bei den Gästen, beim ganzen Personal, sie war die gute Seele des Hauses und ich hätte ohne der Erziehung meiner Mutter und vor allem Dingen ohne ihrer Tüchtigkeit den Rupertihof zu dem gebracht, was er heute ist.

Zu ihrem 90. Geburtstag haben wir ihr ein großes Geschenk gemacht. Wir haben ihr zu Ehren die Franziskuskapelle im Chaletdorf gebaut. Den ersten Grundstein und den ersten Hammerschlag hat Marianne Berger gemacht. Nach 21 Tagen Bauzeit konnten wir die Franziskuskapelle einweihen und 10 Monate später wurden wir zu einer Audienz beim Papst eingeladen. Als ich ihr das Foto vom Papst, meiner Frau und Bürgermeister Hans Eschlberger zeigte, sagte sie: „Hinkommen tust Du überall……“

 

Liebe Freunde, am Dienstag, den 15.09.2020 ab 18:00 Uhr steht der Sarg meiner Mutter vor der Franziskuskapelle in Ainring im Chaletdorf. Jeder kann sich von meiner Mutter hier noch einmal verabschieden. Um 19:00 Uhr findet hier der Rosenkranz statt.

 

Am Mittwoch, den 16.09.2020 wird meine Mutter in Ainring beerdigt. Um 14:00 Uhr Seelengottesdienst, anschließend Beerdigung.

 

Auf diesem Weg im Namen meiner Mutter, sie hat mich beauftragt, das genauso weiterzugeben, möchte sie gerne, dass nach der Beerdigung alle in den Rupertihof kommen und Sie sind alle herzlich zu einem Wiener Schnitzel eingeladen. Meine Mutter hat über 30 Jahre jeden Abend ein Wiener Schnitzel mit Petersilienkartoffeln und einem gemischten Salat gegessen. So wird man 93 Jahre alt.

 

Familie Eva-Maria und Thomas Berger

mit Martina, Hansi und Thomas

 

Thomas Berger hat ein Lied komponiert, Hansi Berger hat diesen Titel für die Oma aufgenommen, das Lied können Sie hier hören:

https://www.youtube.com/watch?v=chEu__pdQmg&feature=youtu.be

Grußwort

50 Jahre Wirtshauskind. Das ist schon etwas Besonderes.
Warum immer noch Kind? Weil meine Mutter auch noch heute, mit 87 Jahren, täglich nach dem Umsatz und nach dem Geschäft fragt. Sie sieht mich heut noch als ihr Kind und sie freut sich über jede geschäftliche Bewegung. Das nennt man Familienunternehmen.

Ich hab mich dazu entschieden einige meiner Geschichten im Internet zu veröffentlichen und arbeite aktuell an einem Buch. Die Erlebnisse in 50 Jahren Gastronomie und die Geschichten eines bewegten Lebens im schönen Berchtesgadener Land wollen aufgearbeitet werden.

Jede meiner Geschichten entspricht der Wahrheit, auch wenn sie vielleicht in der Vergangenheit ganz anders erzählt oder gehört wurde. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, Erlebnisse wie die mit dem "Kaibi Luk", aufzuschreiben. Ich bin mir sicher, dass viele Leute, die diese Erinnerungen mit mir teilen, eine große Freude daran haben werden. Daneben möchte ich auch so manches aufklären und Irrtümer ausräumen, die kursieren. Auch in Ainring müssen einige Ungerechtigkeiten aufgearbeitet werden. Wie so oft wird die gewohnte Ratscherei schnell zu echtem Rufmord und führt nicht zuletzt zu enormen wirtschaftlichen Schäden. Ich möchte an dieser Stelle meine Sicht der Dinge schildern, denn wir brauchen wieder Frieden in Ainring.

Das Internet bietet uns heute viele Möglichkeiten, ganz unkompliziert miteinander in Kontakt zu treten. Ich freue mich, wenn Sie sich im Gästebuch an der Diskussion über die Einträge der Wirtshausgschichten beteiligen und Ihre Meinung beitragen. Ich werde mir die Zeit nehmen, jede einzelne Frage zu beantworten. Wenn Sie Ihren Namen nicht nennen möchten, können Sie dies selbstverständlich auch anonym tun.

Ihr
Thomas Berger

 

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